Cheikh, Senegal

Interview mit Cheikh, 23 Jahre, geführt im März 2016

Aus welchem Land kommst du und warum bist du von dort geflohen?
Ich komme aus dem Senegal. Ich lebte mit meiner Familie an der Küste, mein Vater war Fischer. Doch meine Eltern waren beide krank. Erst ist mein Vater gestorben, dann meine Mutter. Deshalb begann ich mit 9 Jahren zu arbeiten. Ich sammelte Müll. Etwas später begann ich dann als Fischer zu arbeiten. Ich fuhr auf den kleinen Fischerbooten der Nachbarn mit. Anfangs ging das ganz gut. Ich war stolz selbst Geld zu verdienen. Doch mit der Zeit fingen wir immer weniger Fisch. Es kamen Fangflotten aus Europa und die Fischbestände waren so gering, dass wir nicht mehr genug Geld verdienen konnten um zu überleben. Ich sah im Senegal keine Zukunft mehr für mich. Da machte ich mich auf den Weg nach Europa.

Bist du zur Schule gegangen?
Am Anfang, als meine Eltern noch gelebt haben, ja, doch dann musste ich Geld verdienen.

Wie lief deine Flucht ab?
Ich war lange unterwegs. Erst bin ich mit dem Bus nach Mali gefahren. Doch ich hatte wenig Geld und musste immer wieder arbeiten, um zu überleben. In Mali nahm ich Hilfsarbeiten an und war vier Monate dort, bis ich mit einem Bus nach Algerien weiterreisen konnte. In Algerien arbeitet ich eineinhalb Jahre, bis ich genug Geld für die Schlepper und die Überfahrt zusammen hatte, vor allem in der Landwirtschaft. Ich lebte in dieser Zeit in verschiedenen Wäldern, viele Flüchtlinge sind dort, aber es ist immer gefährlich. Dann endlich konnte ich weiter nach Marokko. Es ist sehr schwer von dort nach Europa zu kommen, das erste Mal wurde ich erwischt und aus Marokko ausgewiesen. Doch ich hatte viel Glück, sie brachten mich nur nach Algerien zurück, nicht in den Senegal. Ich arbeitete wieder viele Monate und versuchte es noch einmal im April 2015. Mit einem kleinen alten Fischerboot, auf dem viel zu viele Leute waren, schaffte ich es nach Spanien. Ich küsste die Erde als ich dort ankam, vor Freude und weil ich so erschöpft war (schmunzelt).

Aus welchem Grund bist du nach Deutschland gekommen?
Deutschland ist ein reiches Land. Ein anderer Senegalese, mit dem ich mich angefreundet hatte und der mit mir in Spanien ankam, wollte hierher. Er hat einen Cousin in Deutschland. Ich ging mit ihm, weil wir ein gutes Team waren. Wir unterstützten uns immer. Und Deutschland ist ein berühmtes Land. Hier gibt es Arbeit und die Leute haben alles. Wir fuhren also mit Hilfe von Schleppern nach Deutschland und beantragten hier Asyl.

Was hast du für Pläne für die Zukunft?
Ich habe schon etwas Deutsch gelernt, aber mein Französisch ist natürlich viel besser. Ich überlege, nach Frankreich zu gehen und dort in der Landwirtschaft zu arbeiten. Dort sind viele Senegalesen und andere Nordafrikaner. Ich möchte bald genug Geld verdienen und mein Leben neu beginnen. Doch es ist nicht leicht, denn vielleicht werde ich auch in den Senegal zurückgeschickt. Solange es dort keine Fische mehr gibt, weiß ich aber nicht, wie ich dort leben soll. In der Landwirtschaft gibt es auch wenig Chancen für mich. Meine Schwester lebt dort noch bei einer Tante, doch es geht ihnen nicht gut. Ich möchte lieber in Europa bleiben, wo ich die Chance auf ein besseres Leben habe.

Hier das Interview als pdf Cheikh_Senegal

Zwei Arbeitsblätter zu den Interviews für den Schulunterricht finden Sie hier.